05.07.2021
Zu Gast beim Pflege-Fachgespräch in Gundelfingen...

Hoher Besuch im Gundelfinger Haus der Senioren: der Pflegebeauftragte der Bayerischen Staatsregierung zu Gast beim Pflege-Fachgespräch

Auf Einladung der Gundelfinger Stadträtin und Referentin für Senioren, Frauen, Soziales und Integration Friedlies Hopf-Schirm fand im Haus der Senioren (Alten- und Pflegeheim in der Sitzenbergerstraße in Gundelfingen) ein hochkarätiges Treffen zum Thema Pflege statt. Seitens der Landespolitik haben die Abgeordneten Prof. (Univ. Lima) Dr. Peter Bauer als Patienten- und Pflegebeauftragter der Bayerischen Staatsregierung sowie als Mitglied des Ausschusses für Gesundheit und Pflege und pflegepolitischer Fraktionssprecher und Johann Häusler, stv. Vorsitzender der FREIE WÄHLER Landtagsfraktion sowie seniorenpolitischer Sprecher und Mitglied des Sozialausschusses, teilgenommen. MdL Häusler brachte zudem seinen Persönlichen Referenten Peter Grab mit, der als Augsburger Stadtrat Mitglied des Altenhilfe-Ausschusses ist. Erfreulicherweise war auch Gundelfingens Erste Bürgermeisterin Miriam Gruß engagierte Teilnehmerin der Pflege-Runde.

Von der Heimleitung waren Spitalleiter Markus Moll sowie seine Kollegin Sarai Schirm als Assistentin der Geschäftsleitung anwesend, unterstützt wurden sie von der Heimbeirätin Ingeborg Lys und Uta Meyer als Vertreterin der Angehörigen von Heimbewohnern. Vorab darf festgestellt werden, dass es eine sehr fruchtbare Diskussionsrunde wurde mit zahlreichen, für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmern wertvolle Erkenntnisse, Hinweise und Argumente zur Verbesserung der Situation in der Pflege. Als konkretes Ergebnis wurde der Wunsch nach einem regelmäßigen, überregional agierenden Pflegestammtisch formuliert, für dessen Realisierung sich Abgeordneter Häusler einsetzen wird. Dr. Bauer verwies auf die guten Erfahrungen des Pflegestammtisches Nürnberg, der seit vielen Jahren besteht.

Häusler bemerkte, dass das Haus der Senioren in jeder Hinsicht eine Vorzeigeeinrichtung darstellt und betonte, wie wichtig das Selbstwertgefühl für alle Menschen ist und somit auch für Senioren und Pflegepersonen. Professor Bauer stimmte diesbezüglich überein und erinnerte an Artikel 1 unseres Grundgesetzes, demnach die Würde des Menschen unantastbar sei. Bauer: „Sozial- und Pflegepolitik hat was mit der Liebe zum Menschen zu tun.“ Stadträtin Hopf-Schirm pflichtete bei: „Pflegefachkräfte brauchen eine Lobby – applaudieren allein reicht nicht.“ Fast drei Stunden lang wurden zahlreiche wichtige aktuelle Themen angesprochen, zum Beispiel der Aspekt, dass viele Auszubildende lieber zur Krankenpflege als zur Altenpflege gehen, so dass hier seitens der Politik nachgesteuert werden müsse. Ein wesentlicher Fortschritt sei die generalistische Pflege-Ausbildung, die seit Januar dieses Jahres eingeführt wurde. Vorteil und Zielvorstellung dieser Neuerung ist, dass alle Pflegeschülerinnen und -schüler das gesamte Spektrum der Pflege kennenlernen und sich eher für die Altenpflege entscheiden. Prof. Bauer weist auf eine weitere Neuerung hin: „Mit der Akademisierung stärken wir die Attraktivität des Berufs – in Bayern haben wir noch zu wenige akademische Abschlüsse in diesem Bereich. Dieser unbefriedigende Zustand soll sich dadurch verbessern.“ Johann Häusler ergänzte: „Auch die akademische Fortbildung ist sehr wichtig, damit auch während der Berufsausübung eine Weiterentwicklung und letztendlich auch finanzielle Verbesserung möglich ist.“

Ein besonderes Anliegen war für Markus Moll: „Wir brauchen Menschen, die Zeit haben für die zu pflegenden Menschen.“ Abgeordneter Bauer fordert hierzu ein gemeinnütziges Jahr für alle. Sein Fraktionskollege Häusler erinnerte daran, dass in Wertingen, dem Ort seines Bürgerbüros, demnächst eine Pflegeschule gebaut wird. Zudem führte er aus, dass er sich seit Langem dafür einsetzt, dass freiwilliges Engagement im sozialen Bereich, insbesondere in der Pflege, im Sinne der Wertschätzung durch zusätzliche Rentenpunkte honoriert werden soll, was ebenfalls die Attraktivität erhöht. Spitalleiter Moll stellte erfreut fest, dass das Haus der Senioren die mit Abstand meisten Azubis in diesem Berufsfeld im ganzen Landkreis aufweist.

Natürlich blieb nicht aus, dass Corona einen Teil der Diskussion bestimmte. Einig waren sich alle, dass es wichtig ist, aus den Erfahrungen der ersten Wellen zu lernen für den Fall, dass im Herbst eine weitere folgen sollte. Man könne nicht eins zu eins die früheren Maßnahmen übernehmen, um die daraus entstandenen Nachteile für die Bewohnerinnen und Bewohner zu minimieren. Zudem sei ein Großteil nunmehr vollständig geimpft. Weiters sei darauf zu achten, die dritte Auffrischungsimpfung rechtzeitig anzubieten. Dazu Moll: „Wir brauchen außerdem eine Rhetorik der Hoffnung statt der bisherigen Rhetorik der Angst, die meist von außen ins Haus hereingetragen wurde.“

Seine Kollegin Sarai Schirm ergänzte: „Für die Menschen, die hier wohnen, ist unser Haus Heimat und Familie. Deshalb haben sie auch das Recht, mit genau so viel Freiheit und sozialem Kontakt zusammenzuleben, wie dies im familiären Leben selbstverständlich respektiert wird.“

Die Parlamentarier Prof. Bauer und Johann Häusler sagten zu, bei künftigen Entscheidungen zur Pandemieprävention darauf verstärkt zu achten.

Alle waren sich einig, dass ein solch positiver Austausch öfter stattfinden sollte, gerne auch über das Gundelfinger Spital hinaus. Bürgermeisterin Gruß und die Landtagsabgeordneten beglückwünschten abschließend die Heimleitung zu ihrem großartigen Engagement für die ihnen anvertrauten Menschen und zur erkennbaren Kreativität, die auch in diesem Berufsfeld positiv zum Tragen kommt. Hervorgehoben wurde auch der Standort des Spitals, denn die Situierung in der Stadtmitte führt auch dazu, dass die Senioren nicht am Rande, sondern mitten in der Stadtgesellschaft leben und agieren.

 

(Fotos: Büro MdL Johann Häusler)

 

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