17.01.2020
Verpasste Chance für Organspende-Empfänger

Hier meine heutige Presseerklärung dazu:

Patienten- und Pflegebeauftragter der Bayerischen Staatsregierung fordert verstärkte staatliche Kampagnen

München. Anlässlich der Organspende-Debatte hatte sich der Patienten- und Pflegebeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Prof. (Univ.Lima) Dr. Peter Bauer MdL, bereits im Sommer 2019 für die doppelte Widerspruchslösung ausgesprochen. Die Ablehnung des zugrundeliegenden Gesetzentwurfs am 16.01.2020 durch den Deutschen Bundestag sieht der Beauftragte als verpasste Chance für alle Organspende-Empfänger. Prof. (Univ.Lima) Dr. Bauer MdL fordert daher kein Nachlassen bei öffentlichen Aufklärungskampagnen. Politik und Staat müssen alles dafür tun, um mehr Menschen als Organspender zu gewinnen.

"Mit der Entscheidung vom 16.01.2020 hat der Deutsche Bundestag die Widerspruchsregelung abgelehnt und dafür die erweiterte Zustimmungslösung angenommen. Kein guter Tag für all die Patientinnen und Pa-tienten, die in Deutschland auf ein Spenderorgan warten! Auch gestern mussten – statistisch gesehen – drei Menschen versterben, weil ein geeignetes Spenderorgan nicht zur Verfügung stand“, kritisiert der Be-auftragte Dr. Bauer. Die Argumente für die Zustimmungslösung waren in der Debatte v.a. die Gewährleistung des Selbstbestimmungsrechts und die Wahrung der Menschenwürde nach dem Tod. Die Argumente für die Widerspruchsregelung waren insbesondere die aktive Auseinandersetzung mit dem Tod und die zu erwartende Erhöhung der Anzahl von Spenderorganen.

„Zu wissen, dass jeder fünfte deutsche Patient auf der Transplantations-Warteliste stirbt, weil er kein passendes Organ rechtzeitig erhält, macht die aktuelle Entscheidung noch enttäuschender. In Anbetracht dieser Zahlen ist für mich ganz klar, dass wir die Bereitschaft zur Organspende dringend verbessern müssen! Als Patienten- und Pflegebeauftragter der Bayerischen Staatsregierung sowie Mitglied im Bayerischen Bündnis Organspende werde ich mich auch weiterhin engagiert dafür einsetzen, dass sich mehr Menschen für die Organspende entscheiden!“ „Der Blick ins Ausland lohnt sich hier“, meint Dr. Bauer.

„45 Prozent der erwachsenen US-Bevölkerung sind bereit und stimmen zu, sich nach ihrem Tod Organe entnehmen zu lassen. Dabei ist der Erfolg für diese Zahlen eindeutig den jahrelangen staatlichen und sehr kostenintensiven Kampagnen geschuldet, die jedoch Millionen von Bürgern erreicht haben. Auch die neuerdings durchgeführten und von Universitäten begleitete Social Media-Kampagnen zeigen, welch enormes Potential in solchen öffentlichen Aktionen steckt.“ „Auch bei uns hat eine aktuelle Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nachgewiesen, dass 84 Prozent der Deutschen der Organspende gegenüber positiv eingestellt sind. Ähnliches zeigt das aktuelle ZDF-Politbarometer vom 16.01.2020. Demnach möchte die Mehrheit der Deutschen, dass nach dem Tod jeder automatisch Organspender wird, wenn er nicht ausdrücklich widersprochen hat. Leider haben aber nur 36 Prozent tatsächlich auch einen Organspendeausweis. Dazu kommt, dass 57 Prozent der tatsächlichen Organspenden nur deshalb zustande kommen, weil die Angehörigen zustimmen“, so der Beauftragte.

„An diesen Zahlen erkenne ich“, sagt Dr. Bauer, „dass die direkte Konfrontation mit dem Thema Organspende weit weniger Ablehnung auslöst als man aufgrund der in den letzten Monaten geführten Debatte meinen könnte. Ich sehe daher in Aufklärung, verstärkter Öffentlichkeitsarbeit sowie Nutzung individualisierter Informationswege der Bevölkerung einen wichtigen Beitrag, um noch mehr Menschen zu erreichen. Aus diesem Grund fordere ich trotz oder gerade wegen der aktuellen Bundestags-Entscheidung ganz klar eine engagierte Informationskampagne sowie die Bereitstellung genügend öffentlicher Gelder für zeitgemäße Maßnahmen und Schritte. Organspende schenkt Leben! Und allein ein Mensch kann im Durchschnitt sogar drei anderen das Leben retten oder ihnen zumindest eine bessere Lebensqualität ermöglichen!"

Archiv