03.06.2019
Dr. Bauer warnt vor Spaltung der Gesellschaft beim Thema Organspende und ruft Politik zu vertrauensgewinnenden Maßnahmen auf

Der Patienten- und Pflegebeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Prof. (Univ.Lima) Dr. Peter Bauer, MdL, warnt anlässlich des „Bundesweiten Tags der Organspende“ vor einer Spaltung der Gesellschaft beim Thema Organspende. Der „Bundesweite Tag der Organspende“ wird seit über 35 Jahren am ersten Samstag im Juni begangen und soll danken, aufklären und gleichzeitig ein Zeichen für die Wichtigkeit der Entscheidung setzen. Prof. Bauer hält kontinuierliche Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit für unerlässlich, um so viele Menschen wie möglich, bei diesem emotionalen Thema als überzeugte Befürworter ‚mitzunehmen‘. Für den Beauftragten selbst liegen - nach Abwägung der derzeit diskutierten unterschiedlichen Lösungsansätze - die Vorteile bei der doppelten Widerspruchslösung. Die doppelte Widerspruchslösung sieht vor, dass sich jeder volljährige Bürger grundsätzlich entscheiden kann, ob er zur Organspende im Fall des eigenen Hirntods bereit ist.

Der „Bundesweite Tag der Organspende“ ist ein Tag, an dem ergreifende Schicksale von Patientinnen und Patienten im Fokus stehen. Es ist ebenso ein Tag all derjenigen Menschen, die Organe gespendet haben oder denen als Organempfänger ein neues Leben geschenkt wurde. In Deutschland standen im Jahr 2018 955 Organspendern rund 9.400 Menschen gegenüber, die auf ein Organ warteten. 3.790 (Lebendspender mitgerechnet) von ihnen hatten das Glück, rechtzeitig den richtigen Spender zu bekommen und konnten transplantiert werden. Jeder fünfte aber, der in Deutschland auf der Warteliste ist, verstirbt, bevor er ein neues Organ erhält. Das sind jedes Jahr rund 2.000 Menschen! Auch in Bayern warten rund 1.500 Patientinnen und Patienten auf ein Spenderorgan. Dabei wurden im Freistaat letztes Jahr nur 128 Organe gespendet – 15 weniger als noch im Jahr zuvor“, so Prof. Bauer. „Dies ist dramatisch!“

Der Patienten- und Pflegebeauftragte der Bayerischen Staatsregierung hält es für überaus wichtig, dass möglichst jeder Bürger eine informierte und selbstbestimmte Entscheidung über Organspende trifft und diese auch dokumentiert wird. „Es ist gut“ betont Prof. Bauer, „dass wir eine breite gesellschaftliche Debatte über eine neue gesetzliche Regelung zur Entscheidung bei der Organspende führen. Diese Diskussion ist für mich als Patienten- und Pflegebeauftragter sowie langjährig praktizierender Arzt Ausdruck lebendiger Demokratie! Jeder von uns kann selbst in die Situation kommen, durch Krankheit oder Unfall ein lebensrettendes Organ zu benötigen. Ich plädiere daher, nach Abwägung aller Argumente, für die doppelte Widerspruchslösung. Demnach gilt jeder nach seinem Tod automatisch als Organspender, wenn er nicht vorher widerspricht. Jede Frau und jeder Mann kann jederzeit ‚Nein‘ sagen. Wer das ablehnt, wird in einem Register eingetragen. Auch Angehörige sollen noch im Sinne des Verstorbenen widersprechen können. Ein Gespräch mit ihnen wird demnach für Ärzte vor der Organentnahme ebenso Pflicht wie der Blick ins Register.“

Prof. Bauer sieht es jedoch als vordringliche Aufgabe der Politik, keine Spaltung der Gesellschaft bei diesem emotionalen Thema zu provozieren.  „Die Diskussion darf nicht über die Gesellschaft hinweg, sondern auch und vor allem in und mit der Gesellschaft geführt werden“, betont Bauer. „Gerade die im Auftrag der Deutschen Stiftung Patientenschutz aktuelle Umfrage zeigt, dass wir eine Änderung unseres Transplantationsgesetzes brauchen. Denn den Umfragewerten zufolge, empfindet nur jeder Zweite das derzeitige deutsche System als gerecht! Dass sogar von einer Vertrauens- und Gerechtigkeitskrise im Zusammenhang mit Organspende gesprochen wird, müssen wir ernst nehmen!“, so Bauer. „Als Patientenbeauftragter fordere ich für die derzeitige Debatte daher noch mehr Information, noch mehr Anstrengungen zum Vertrauensgewinn und noch mehr Gerechtigkeit für Betroffene und Angehörige. Zu viele Menschen zweifeln an der Gerechtigkeit unseres Systems! Denn noch immer liegen Verteilungskriterien, Organisation und Durchführung sowie Kontrolle der Organtransplantation bei privatrechtlichen Akteuren der Selbstverwaltung. Hier muss die Politik ansetzen und Verbesserungen zum Wohle der Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörigen schaffen!“

„Wer Beratung sucht“, so Prof. Bauer, „dem empfehle ich das von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) gemeinsam eingerichtete ‚Infotelefon Organspende‘.  Ein sachkundiges Team beantwortet Anfragen und übersendet auf Wunsch auch Organspende-Ausweise sowie Informationsmaterial. Die gebührenfreie Telefonnummer lautet: 0800 / 90 40 400. Auch von den Internetseiten des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege kann der Organspende-Ausweis heruntergeladen und ausgedruckt werden (www.patientenportal.bayern.de/aufklaerung_vorbeugung/index.htm).“

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